(zuerst veröffentlicht auf https://jugendarbeit.wien/)
5. bis 12. Juli 2026
Im Juli 2026 reisten sieben Jugendliche aus Wien gemeinsam mit ihren Betreuer:innen Anja, Sajad und Timmy im Rahmen eines Erasmus+ Jugendaustauschs nach Deutschland. Nach der Begegnung im vergangenen Jahr in Wien fand heuer die Rückbegegnung in statt. Zunächst verbrachten beide Gruppen drei gemeinsame Tage in Darmstadt, bevor die Reise weiter nach Wiesbaden führte. Ziel der Begegnung war es, neue Freundschaften entstehen zu lassen, kulturellen Austausch zu fördern und jungen Menschen die Möglichkeit zu geben, über sich hinauszuwachsen.
Gemeinsam unterwegs
Schon die Anreise mit dem Nachtzug war für viele ein kleines Abenteuer. Für die meisten war es die erste Fahrt in einer Schlafkoje in einem der ÖBB Nightjets. Entsprechend groß waren Vorfreude und Aufregung. Nach der herzlichen Begrüßung durch die Wiesbadener Gruppe in Darmstadt sorgten Kennenlernspiele und gemeinsame Teamaufgaben am Badesee schnell dafür, dass aus anfänglicher Zurückhaltung erste Gespräche und gemeinsames Lachen entstanden. Ob beim Heinerfest in Darmstadt, beim Erkunden von Frankfurt oder beim Spaziergang über die Mathildenhöhe – überall war Begegnung spürbar. Ganz nebenbei wurden Sprachbarrieren abgebaut und aus zwei Gruppen wurden nach und nach eine Gemeinschaft.
Lernen durch Erleben
Neben Spiel und Freizeit setzte sich die Gruppe auch mit Themen wie Nachhaltigkeit und Klimaschutz auseinander. Beim Workshop im Jagdschloss Kranichstein erfuhren die Jugendlichen anhand praktischer Experimente, welche Bedeutung gesunde Wälder und Böden für unsere Zukunft haben und wie sie zum Schutz vor Überflutungen beitragen können. Besonders in Erinnerung blieb vielen auch der Kletterpark am Neroberg. Einige Jugendliche überwanden dort ihre Angst vor der Höhe und meisterten Parcours, die sie sich anfangs selbst nicht zugetraut hätten. Gegenseitiges Anfeuern, Vertrauen und Ermutigung machten diesen Nachmittag zu einem besonderen Erlebnis.
Mut steckt an
Im Laufe der Woche war immer wieder zu beobachten, wie ansteckend Mut sein kann. Beim offiziellen Empfang im Wiesbadener Rathaus eröffnete Ashley (16 J.) den Nachmittag mit einer bewegenden Interpretation von „Somewhere Only We Know“. Ihre Offenheit ermutigte sowohl Viki (13 J.) als auch andere Jugendliche aus Wiesbaden, ihre eigenen Talente zu zeigen. Musik wurde an diesem Nachmittag zu einer Sprache, die alle verband.
Auch Dora (14 J.) machte eine Erfahrung, auf die sie besonders stolz ist: „Dass ich mich im Jugendzentrum der Wiesbadner:innen auf die Bühne getraut habe und dort Cajón gespielt und dazu gesungen habe. Das habe ich davor noch nie gemacht und mich nur getraut, weil ich vorher mit Anja geübt habe.“ Auf die Frage, warum sie eine Jugendbegegnung weiterempfehlen würde, antwortete sie: „Weil man dann in den Ferien nicht nur zuhause rumhockt und am Handy ist, sondern draußen etwas erleben kann. Wie Klettern im Wald, gemeinsam einen Rummel besuchen und neue Städte erkunden.“
Begegnung auf Augenhöhe
Ein besonders schöner Abschluss war die gemeinsame Abschiedsfeier im Stadtteilzentrum Klarenthal. Beim Kochen brachten Khaled (15 J.), Ali (15 J.) und Reham (15 J.) Gerichte aus ihrer arabischen Esskultur ein und luden alle dazu ein, neue Geschmäcker kennenzulernen. Anschließend zeigte Rahaf (14 J.) traditionelle arabische Tanzschritte und schon nach wenigen Minuten tanzten Jugendliche aus Wien und Wiesbaden gemeinsam. In diesem Moment spielte es keine Rolle mehr, welche Sprache jemand sprach oder woher er oder sie kam.
Die Jugendbegegnung machte eindrucksvoll sichtbar, worum es bei Erasmus+ geht: Menschen unterschiedlicher Herkunft kommen miteinander in Kontakt, bauen Vorurteile ab, entdecken Gemeinsamkeiten und wachsen an neuen Erfahrungen. Die Jugendlichen nahmen nicht nur viele schöne Erinnerungen mit nach Hause, sondern auch neues Selbstvertrauen, Freundschaften und das Gefühl, Teil einer vielfältigen europäischen Gemeinschaft zu sein.
Anja Grundner,
Parkbetreuerin im Team der Wiener Kinderfreunde aktiv Meidling





