Von Monte Sole nach Rimini: Zwischen Alltagserfahrung und politischem Lernen

Rückblick auf die Jugendreise von WiesPaten International im Oktober 2025

Die Jugendreise „Von Monte Sole nach Rimini“ verband historische Bildung, politische Reflexion und gemeinschaftliches Erleben. Im Mittelpunkt standen Fragen von Frieden, Demokratie, Erinnerungskultur und gesellschaftlicher Verantwortung.

Ein besonderer Dank gilt der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung, die Studienfahrten zur Friedensschule Monte Sole seit vielen Jahren unterstützt und damit politische Jugendbildung im internationalen Kontext ermöglicht.

Die Reise führte zunächst in die italienische Region Emilia-Romagna zur Friedensschule Monte Sole (Scuola di Pace) bei Marzabotto. Der Ort ist untrennbar mit der europäischen Geschichte verbunden: 1944 verübten deutsche Nationalsozialisten gemeinsam mit italienischen Faschisten dort eines der schwersten Massaker an der Zivilbevölkerung. Die zerstörten Dörfer und die heutige Ruinenlandschaft machen diesen Ort bis heute zu einem eindringlichen Erinnerungsraum.

Die Friedensschule versteht Monte Sole zugleich als Lern- und Begegnungsort. Hier setzen sich junge Menschen aus unterschiedlichen Ländern mit Fragen von Gewalt, Verantwortung und Zivilcourage auseinander und entwickeln Perspektiven für ein friedliches Zusammenleben in Europa.

Eine besondere Tiefe erhält die Reise durch die Perspektive einer Teilnehmerin, die sehr unmittelbar beschreibt, wie sich Anreise, Alltag und Bildungsarbeit miteinander verweben: ein früher Start in Wiesbaden, eine fast filmreife Umsteigesituation in München, erste Eindrücke in Monte Sole zwischen Irritation und Neugier sowie ein schneller Wechsel in eine intensive Gruppenatmosphäre.

Gerade diese Mischung aus alltäglichen, manchmal chaotischen Situationen und ernsthafter inhaltlicher Auseinandersetzung prägt den Charakter der Reise. In kreativen Methoden, gemeinsamen Wanderungen durch das Gedenkgebiet und stillen Momenten der Reflexion wurde deutlich, wie historisches Lernen emotional, sozial und kognitiv zugleich wirkt. Die Jugendlichen setzten sich dabei nicht nur mit der Vergangenheit auseinander, sondern auch mit der Frage, was Verantwortung, Demokratie und Zusammenhalt heute bedeuten.

Nach den intensiven Tagen in Monte Sole führte die Reise weiter nach Rimini. Dieser Ortswechsel markierte bewusst einen Übergang: von der historischen Auseinandersetzung hin zu Gemeinschaft, Alltag und europäischer Gegenwartserfahrung.

Auch hier spiegeln sich die Ziele der Reise in den Erfahrungen der Jugendlichen wider. Gemeinsame Aktivitäten, kreative Challenges, Freizeit und Gruppenmomente boten Raum, das Erlebte zu verarbeiten und in neue soziale Kontexte zu übertragen. So wurde deutlich, dass politische Bildung nicht nur in der Reflexion, sondern ebenso im gemeinsamen Erleben, im Aushandeln von Gruppenprozessen und im informellen Miteinander stattfindet. Die Reise verband damit Erinnerungskultur und historisches Lernen mit Demokratiebildung und der Entwicklung von Verantwortung, während gleichzeitig Gemeinschaft und europäische Perspektiven im Alltag erfahrbar wurden. Gerade in dieser Verbindung liegt der besondere pädagogische Wert des Formats.

Weitere Infos: https://hlz.hessen.de/angebote/friedensschule-monte-sole/

In Kooperation mit WiesPaten und gefördert durch die Hessische Landeszentrale für politische Bildung

Teilnehmerin Waleria teilt mit uns ihre ganz persönlichen Eindrücke der Jugendbildungsreise zur Friedensschule Scuola di Pace Monte Sole mit Weiterreise an die Adria:

Unsere Reise nach Italien

Am 6. Oktober um 5 Uhr morgens – ja, FÜNF UHR! – trafen wir uns alle halb schlafend, halb aufgedreht am Wiesbadener Hauptbahnhof. Kaffee? Fehlanzeige. Nervosität? 100 %. Aber alle waren pünktlich (Wunder!) und so ging’s um 5:26 Uhr mit dem Zug Richtung München. Und dann… Überraschung! Verspätung. Schon im ersten Zug. Wir dachten echt, das wird nix mehr. Also wurde spontan ein Einsatzteam gebildet, das in München vorausrennen sollte, um den Anschlusszug nach Bologna aufzuhalten. Das sah aus wie in einem Actionfilm – nur mit Rucksäcken statt Explosionen. Aber hey, es hat geklappt!

In Bologna angekommen, ging’s weiter nach Montesole, in unsere „Friedensschule“. Der erste Eindruck? Naja, nicht ganz 5 Sterne – eher so 1 Käfer pro Quadratmeter. Keiner wollte seinen Koffer auspacken, weil’s überall krabbelte. Aber dann kam Momo, unser Betreuer. Total locker, super freundlich – der Typ war echt die Ruhe in Person.

In den folgenden Tagen haben wir viele spannende Dinge gemacht. Wir erstellten Collagen über uns selbst aus Zeitungen, was überraschend viel Spaß gemacht hat. Außerdem machten wir eine Wanderung, bei der wir viel über die Geschichte von Montesole und die Partisanen gelernt haben. Währenddessen war es ganz still, weil alle wirklich interessiert zuhörten. Abends spielten wir gemeinsam Werwolf – natürlich mit viel Gelächter – und machten sogar einen Nachtspaziergang, bei dem sich einige gegenseitig erschreckt haben. Wir bemalten auch ein großes Bettlaken, auf das wir „Wiesbaden“ schrieben. Das wurde ein richtig schönes Gemeinschaftsprojekt.

Dann ging’s weiter nach Rimini. Endlich Hotel! Alle waren schon halbtot vom Busfahren, aber als wir das Hotel sahen, waren plötzlich wieder alle wach. An der Rezeption war eine supernette Frau – und ihr Hund Giotto war der heimliche Star des Tages. Das Essen war mega, richtig lecker – und sogar die Veganer wurden gefeiert.

Dann kam die Schnitzeljagd 3000. Wir wurden in Gruppen aufgeteilt und mussten total verrückte Aufgaben lösen – auf Zeit! Einen Kugelschreiber gegen irgendwas eintauschen (nicht kaufen!), Fotos mit Menschen aus fünf verschiedenen Nationen machen, mit einer Blume, einem Hund und einer Person über 60 oder einem Kind. Zum Schluss sollten wir noch unsere Lehrkräfte anhand eines Fotos finden – fast wie „Wo ist Walter?“, nur mit Lehrern. Die Gruppe Blau hat gewonnen, und wir haben Magneten bekommen. Ziemlich sylische Souvenirs, ehrlich gesagt.

Dann kam das Highlight: der Freizeitpark! Riesen Achterbahnen, laute Musik, Adrenalin pur. Manche waren mutig, andere… sagen wir mal, sie haben lieber Taschen gehalten. Das Essen dort war so mittel, aber egal – Hauptsache Spaß! (…)

Egal wie chaotisch es manchmal war – es war einfach eine richtig geile Zeit! Wir haben so viel erlebt, gelacht, geflucht, kaum geschlafen, aber unendlich viele Erinnerungen gesammelt. Es war keine Klassenfahrt, sondern wirklich eine Jugendreise mit Freunden – frei, spontan, laut, witzig und einfach unvergesslich.

Zum Schluss möchte ich mich einfach nochmal ganz herzlich bei unseren Lehrkräften bedanken. Sie haben uns immer unterstützt, Geduld gehabt (auch wenn wir mal zu laut waren 😅) und dafür gesorgt, dass aus dieser Reise etwas ganz Besonderes geworden ist.

Danke für alles – diese Jugendreise nach Italien werde ich nie vergessen!

(Waleria, Teilnehmerin)

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