In Verbindung bleiben – Netzwerktreffen Wiesbaden Weltweit 1/26

Europäische und internationale Jugendbegegnungen in Zeiten von Krieg und Krisen

Krisen und Kriege in verschiedenen Regionen Europas und darüber hinaus haben die Welt in den letzten Jahren verändert. Welche Herausforderungen und welche Bedeutung ergeben sich daraus für die internationale Jugendarbeit?

Am 7. Mai traf sich das Netzwerk „Wiesbaden Weltweit“ im Wiesbadener Rathaus, um nach einer herzlichen Begrüßung durch Jessica Huber von der Protokollabteilung über internationale Jugendarbeit in Zeiten von Kriegen und Krisen zu sprechen. Mehr als vierzig Teilnehmende tauschten sich intensiv darüber aus, inwiefern internationale Jugendarbeit ihrer per se friedensstiftenden Rolle in angespannten Zeiten gerecht werden kann und welche Voraussetzungen dafür notwendig sind.

Einen inhaltlichen Rahmen setzte die Keynote von Eva Feldmann-Wojtachnia. Sie machte deutlich, wie stark die Lebensrealität junger Menschen von globalen Krisen geprägt ist: Pandemie, Krieg in der Ukraine und anhaltende Konflikte im Nahen Osten sind prägende Erfahrungen im Aufwachsen vieler Jugendlicher. Damit verbunden sind Unsicherheiten, psychische Belastungen und ein wachsender Vertrauensverlust in politische Institutionen. Gerade deshalb brauche es stabile Räume, in denen Austausch möglich ist, Perspektiven sichtbar werden und demokratisches Lernen stattfinden kann. Internationale Jugendarbeit braucht starke Träger, gut vernetzte lokale Akteure und verlässliche Rahmenbedingungen. „Europa beginnt vor Ort.“ Ebenso gehören Qualifizierungen für Fachkräfte – etwa in traumasensibler Demokratiebildung und mentaler Gesundheit – dazu wie der Ausbau politischer und europäischer Bildungsangebote. Internationale Partnerschaften sollen nicht nur erhalten, sondern aktiv weiterentwickelt werden.

Frau Feldmann-Wojtachnia machte deutlich: Jugendbegegnungen sind friedensstiftend. Sie schaffen Räume für Austausch und Reflexion, halten Dialog auch in Krisenzeiten offen und ermöglichen jungen Menschen, demokratisches Miteinander konkret zu erleben.

Wie herausfordernd die Praxis aktuell ist, zeigten „Spotlights“ aus dem Netzwerk. In einem voraufgezeichneten Videogespräch schilderte die Partnerorganisation Neve Hanna in Israel die Belastungen der aktuellen Sicherheitslage: Bombenwarnungen und Einschläge gehören dort zum Alltag, oft bleiben nur 30–40 Sekunden, um Schutzräume aufzusuchen. Unter diesen Bedingungen sind Begegnungen vor Ort kaum planbar.

Umso wichtiger: Der Kontakt darf nicht abbrechen. Beziehungen, die über Jahre gewachsen sind, tragen auch durch Krisenzeiten. Es geht darum, in Verbindung zu bleiben, zuzuhören und gemeinsam Wege zu finden, Zusammenarbeit auch unter schwierigen Bedingungen zu ermöglichen – in der Hoffnung, dass im Sommer wieder eine deutsch-israelische Jugendbegegnung in Wiesbaden möglich sein wird, bei sorgfältiger Abwägung aller Sicherheitsfragen und trotz nachvollziehbarer Bedenken, auch von Eltern, wie Andrea Gotzel von Spiegelbild e.V. berichtete.

Neben diesen aktuellen Eindrücken wurde auch auf die Projekte der vergangenen Monate geblickt: 13 internationale Projekte – von Jugendbegegnungen über Fachkräfteaustausche hin zu politischen Bildungsformaten und der Ausstellung „Erzähl mir von Europa“ im Stadtmuseum – konnten in diesem Jahr bereits umgesetzt werden. Viele weitere Projekte folgen bis zum nächsten Netzwerktreffen im November.

Weitere Infos dazu auf unserem Padlet: https://padlet.com/jugendinternational1/europaische-und-internationale-jugendbegegnungen-in-zeiten-v-92xh726t6hx6lcso

(Gerrit Meier, Team Wiesbaden International)

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