„Ich hatte wirklich Angst, mich rauszuwagen, so ganz ohne meine Familie“; sagt der 20-jährige Abraham. Er ist in der Ausbildung zum Lagerlogistiker und hat durch das Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft, einem der Partner von „Wiesbaden international“, die Möglichkeit bekommen, ein Praktikum im spanischen Valencia zu machen. Zumal auch der Beginn etwas holprig war: Abraham verpasste sein Flugzeug und wollte schon wieder nach Hause fahren. Doch er war dann doch motiviert, mit dem Bus zu fahren – „30 Stunden!“ – und sein Praktikum zu absolvieren. „Das war das Beste, was mir passieren konnte. Ich kann nur allen raten: Traut euch was. Man muss neue Sachen ausprobieren!“ Abraham ist der beste Botschafter für das Programm, das sich Wiesbaden und andere Städte auf die Fahne geschrieben haben: Jugendlichen aus Familien und Schulformen, für die Aufenthalte im Ausland nicht selbstverständlich sind wie für die meisten Gymnasialschüler. Auch Azubis können an solchen Programmen teilnehmen, Wiesbaden bietet die nötige Infrastruktur. Um die Träger und Akteure zu vernetzen, führt das Amt für Soziale Arbeit jährlich ein Netzwerktreffen durch, das nach zwei Pandemiejahren mit virtuellen Treffen nun wieder in Präsenz, im brandneuen Stadtteilzentrum Schelmengraben , stattfinden konnte. Rund 60 Teilnehmende waren gekommen, um unter der bewährten Moderation von Dr. Werner Müller vom (Gründer Bonner Verein „transfer e.V.“) stand ein interessanter Austausch auf dem Programm. Nach der Begrüßung durch den Sozialdezernenten Christoph Manjura, der auch auf ein neues „Jugendinformationszentrum“ in Wiesbaden hinwies und allen Partnern, die die Begegnungen auch unter erschwerten Bedingungen möglich machten dankte, referierte die online zugeschaltete Jugenddezernentin Katarina Gorenc aus Wiesbadens slowenischer Partnerstadt Ljubljana über die Jugendarbeit in ihrer Stadt.  Vernetzung und Beteiligung der Jugendlichen ist dort ein ebenso wichtiges Thema. Man bemühe sich, in allen 17 Stadtteilen ein Angebot zu machen. Die bestehenden Angebote werden ständig evaluiert, so ergibt sich ein hoher Zufriedenheitswert bei den Besucher:innen der Jugendzentren, sagte Gorenc. Ein praktisches Beispiel aus Wiesbaden zeigten anschließend Schüler:innen der Biebricher Riehl-Schule, die seit mehr als zehn Jahren einen gut organisierten Austausch mit dem griechischen Florina pflegen. Schulsozialarbeiter Marcus Mildner und sein Team  bietet eine umfangreiche Vorbereitung auf das Reiseprogramm und den Gegenbesuch aus Griechenland an. Bereits 350 Schüler:innen der Gesamtschule hätten am Austausch teilgenommen. Vier Teilnehmer:innen berichteten anschaulich und praktisch von der letzten Begegnung. In einer „Speed-Dating“-Runde stellten sich unterschiedliche Organisationen wie „Jugend für Europa“, „Eurodesk“, „Spiegelbild“ , der „Ihadouten e.V.“ oder „epic education“ mit den verschiedensten Angeboten vor und luden zum Vernetzen ein. Danach gab es ein kleines Podium mit dem Azubi Abraham und Raphael aus der Riehl-Schule, die beide noch einmal bekräftigten, dass das Selbstbewusstsein und die Weltoffenheit von den Reise- und Begegnungsmöglichkeiten enorm profitierten. Fachleute aus den Organisationen bestätigten dies auch aus ihrer Sicht und berichteten von erfolgreichen partizipativen Ansätzen, die den Jugendlichen Möglichkeiten zum Mitgestalten und Mitplanen geben. Zum Abschluss gab die Leiterin des Programms „Wi & You“, Sabine Herrmann, einen Überblick über die geplanten Aktionen im laufenden und kommenden Jahr. Noch 2022 sollen Gruppen aus Wiesbaden nach Albanien, in die Niederlande, nach Kroatien, Italien und in die Türkei fahren. Freie Träger organisieren weitere Begegnungen, unter anderem in Marokko und Israel. Auch weitere Praktika im Ausland für Azubis sind möglich. Die Abteilung Jugendarbeit und arco e.V. sind bis 2027 im Erasmus-Plus-Programm „Jugend“ akkreditiert, so dass keine einzelnen Förderanträge mehr gestellt werden müssen, sondern jeweils ein zentraler Fördermittelabruf stattfinden kann. In der weiteren Planung sind der Aufbau einer Kooperation im sportlichen Bereich sowie die Aufnahme eines internationalen Freiwilligen aus dem „globalen Süden“ in den städtischen Jugendzentren in 2023 und weitere interessante internationale Projekte für und mit jungen Menschen.